LNV-Mitgliederversammlung in Stuttgart

LNV-Vorsitzender Dr. Gerhard Bronner im Amt bestätigt

Karl-Heinz Lieber vom Umweltministerium als Gastredner

Die Delegierten der LNV-Mitgliedsverbände bestätigten am 14. April 2018 einstimmig Dr. Gerhard Bronner als Vorsitzenden des Landesnaturschutzverbandes Baden-Württemberg (LNV). Als stellvertretende Vorsitzende wurden Thomas Dietz und Tilman Preuss erneut gewählt. Bestätigt wurden auch die Beisitzer Stefan Frey, der Präsident des Schwäbischen Albvereins Dr. Hans-Ulrich Rauchfuß und Reinhart Sosat, sowie die LNV-Schatzmeisterin Regina Schmidt-Kühner. Zu den Höhepunkten der Versammlung zählte die Ehrung der beiden engagierten Naturschützer Georg Heine und Hartmut Felgner. Der LNV ist Dachverband von 32 Natur- und Umweltschutzvereinen in Baden-Württemberg mit insgesamt rund 540.000 Mitgliedern.

Die Mitglieder zollten Bronner allseits großen Respekt für sein uneingeschränktes Engagement und die von großer Sachkunde und von Dialogbereitschaft geprägte Leitung des Dachverbandes. In seinem Rechenschaftsbericht für das Jahr 2017 griff Bronner Themen des umfangreichen LNV-Jahresberichts 2017 auf und betonte die großartige Leistung der vielen Ehrenamtlichen im LNV und der LNV-Geschäftsstelle. Auch 2017 hatte der LNV in dutzenden Gremien mitgearbeitet und hunderte Termine wahrgenommen. Es wurden weit über 600 Stellungnahmen zu naturschutzrelevanten Projekten, Planungen, Bebauungsplänen und Gesetzesvorhaben abgegeben, und mit dem LNV-Zukunftsforum Naturschutz am 11.11.2017 hatte der LNV das sehr drängende Thema Insektensterben vor großem Publikum in die Öffentlichkeit gebracht. „Wir kümmern uns um Strukturen und Rahmenbedingungen des Naturschutzes“, charakterisierte Bronner die Schwerpunkte der LNV-Arbeit.

Download: LNV-Jahresbericht 2017 mit dem Bericht des Vorsitzenden

LNV-Ehrennadel für Georg Heine und Hartmut Felgner

Der LNV-Vorsitzende Dr. Gerhard Bronner zeichnete zwei herausragende Persönlichkeiten für ihre außergewöhnlichen Verdienste im Natur- und Umweltschutz aus:

Georg Heine
aus Wangen leitet den LNV-Arbeitskreis Ravensburg seit April 1980 und steht für die harmonische und effiziente Zusammenarbeit der Naturschutzverbände im Kreis Ravensburg. Der kompetente Ornithologe ist unter anderem Spezialist für die Erfassung der Zugwege von Vögeln mit Sendern und Empfängern, der Telemetrie, und beobachtet damit den weltweiten Vogelzug.

Pressemitteilung: https://lnv-bw.de/auszeichnung-fuer-georg-heine-aus-wangen/

Hartmut Felgner übernahm 2001 die Leitung des LNV-AK Göppingen und schaffte es mit öffentlichen Sitzungen neben Naturschützer/innen auch Journalisten, Kommunalpolitiker und Behördenvertreter einzubeziehen. In den folgenden Jahren erwarb er sich als LNV-Vorstandsmitglied und LNV-Referent für Tourismus, später für Großraubtiere große Verdienste und führte dabei oft gegensätzliche Positionen zusammen.

Pressemitteilung: https://lnv-bw.de/auszeichnung-fuer-hartmut-felgner-aus-schlat/

Naturschutz in Baden-Württemberg –
aktuelle Perspektiven und künftige Herausforderungen

In seinem Vortrag bezeichnete Karl-Heinz Lieber, Leiter der Abteilung Naturschutz im Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden Württemberg, das Jahr 2017 als „Jahr des Insektensterbens“ und verdeutlichte den dramatischen Einbruch der Insektenpopulationen anhand exemplarischer Untersuchungen. Anlass zu Besorgnis gibt auch eine europaweite Analyse über die Bestandsentwicklung der Vögel in Agrarlandschaften. Selbst frühere Allerweltsarten wie Feldsperling, Feldlerche oder das Rebhuhn gehen drastisch zurück. Beim Rebhuhn zum Beispiel ist der Bestand innerhalb der 30 Jahre von 1980 – 2010 um 94 % gesunken. Diese Entwicklung gründet auf verschiedenen Ursachen. Faktoren sind unter anderem der Verlust von Kleinteiligkeit in der Agrarlandschaft, von unbefestigten Wegen, Böschungen und anderen Landschaftselementen und von artenreichem Grünland. Eine wichtige Rolle spielt auch der Eintrag hochwirksamer Pestizide wie der Neonicotinoide und die Nährstoffanreicherung in den Böden.
Lieber stellte dar, dass mit deutlich mehr Ressourcen für den Naturschutz nun die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen wurden. So hat die Landesregierung innerhalb von zwei Legislaturperioden die Sachmittel für den Naturschutz bislang mehr als verdoppelt und für die Naturschutzarbeit deutlich mehr Personal vorgesehen. Konkret nannte Lieber als Umsetzungsmaßnahmen u. a. die Erhöhung der Fördersätze in der Landschaftspflege und die flächendeckende Einführung von Landschaftserhaltungsverbänden.
Lieber zieht aktuell vor dem Hintergrund des anhaltenden Artenschwundes dennoch eine ernüchternde Zwischenbilanz. Er mahnte zur Kooperation: die verschiedenen Gruppen im Naturschutz, aber auch z. B. die Landnutzenden müssten an einem Strang ziehen. Es braucht ein Mehr an konkreten Maßnahmen auf der Fläche, Biodiversitäts-Beratung vor Ort und an Datengrundlagen über die Wirkungsursachen von Maßnahmen. Lieber stellte als Reaktion der Landesregierung das Sonderprogramm zur Stärkung der Biologischen Vielfalt vor, in dem neben dem Umweltministerium das Landwirtschafts- und das Verkehrsministerium mit gezielten Naturschutzmaßnahmen versuchen, eine Trendwende herbeizuführen.
Lieber verdeutlichte: „Wir brauchen keine neuen Leuchtturmprojekte – wir müssen vorhandene Konzepte und Pläne endlich wirkungsvoll umsetzen“. Die Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft werde intensiviert und die Leistungen des Naturschutzes müssten auf der Fläche sichtbarer werden. Der Artenschwund zwinge zu konsequentem Handeln und der Naturschutz stehe aktuell im besonderen Fokus der öffentlichen Wahrnehmung. Deshalb müssen jetzt die richtigen Prioritäten gesetzt und das Richtige zeitnah umgesetzt werden. Er appellierte am Schluss seines Vortrags an die verstärkte Zusammenarbeit. Die Trendwende im Artenschwund sei nur gemeinsam zu schaffen.

Download: Vortrag Naturschutz in BW, aktuelle Perspektiven und künftige Herausforderungen von Karl-Heinz Lieber, Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg

Pressemitteilung Mitgliederversammlung 2018