„Wir geben dem Naturschutz eine Stimme“

Weiterhin: Verleihung der LNV-Ehrennadel an zwei herausragende Naturschützer und Vortrag „Nationalpark Schwarzwald – konkrete Utopie“

Bei der Mitgliederversammlung des Landesnaturschutzverbandes Baden-Württemberg, Dachverband von 34 Natur- und Umweltschutzverbänden, stand am Samstag ein straffes Programm auf der Tagesordnung. Unter anderem legte der LNV-Vorsitzende Reiner Ehret seinen Bericht des Vorstands ab und unterstrich dabei die Rolle des LNV als „einheitliche Stimme für den Naturschutz“.

Als Dachverband seien zwar Kompromisse untereinander notwendig, letztendlich ziehe man aber am gleichen Strang. „Die LNV-Arbeitskreise in den Stadt- und Landkreisen bilden das Herzstück des Verbandes, vor allem was die Vielzahl der fachkundigen Stellungnahmen zu Planungsvorhaben anbelangt“, so Ehret.

Der LNV-Chef machte bei seiner Ansprache auch keinen Hehl daraus, dass der LNV eindeutig hinter der Energiewende steht und vor allem in der Energieeffizienz eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe sieht. Zu den weiteren Themen, die dem LNV sehr am Herzen liegen, gehört der immer noch zunehmende Flächenverbrauch.

Nationalpark bietet Chance für Artenschutz und Tourismus
Ehret betonte auch, dass der LNV über die Realisierung des „Nationalparks Schwarzwald“ außerordentlich froh ist. Zur Mitgliederversammlung war deshalb auch der Leiter des Nationalparks, Dr. Thomas Waldenspuhl, eingeladen. Sein Gastvortrag trug den Titel „Nationalpark Schwarzwald – konkrete Utopie“. Die eindrucksvolle Beschreibung der Ist-Situation und der Entwicklungsmöglichkeiten des rund 10.000 Hektar großen Schutzgebiets lebte von philosophischen Verknüpfungen, gewaltiger Bildsprache und vor allem von den fundierten forstlichen und biologischen Kenntnissen Waldenspuhls.

Nationalparke hätten, betonte der Nationalparkchef, nichts mit Parteipolitik zu tun. Schließlich gäbe es überall auf der Welt welche, unabhängig vom Regime. „Ein Nationalpark ist nicht die Krönung, sondern eine Ergänzung der klassischen Werkzeugkiste des Naturschutzes im Sinne eines Prozessschutzes“, erklärte Waldenspuhl. Es gehe darum, die Natur „Natur“ sein zu lassen. „Wir brauchen diese, weil sie ein unendliches Wissen birgt“, so der Leiter des Nationalparks weiter. Baden-Württemberg habe einen Entwicklungsnationalpark. Will heißen, man müsse innerhalb eines Zeitraums von 30 Jahren denken. Problem der heutigen Wirtschaftswälder sei, dass die Zerfalls- und Altersphasen fehlten, was sich negativ auf die Artenvielfalt auswirke.

Waldenspuhl ging auch auf das brisante Thema „Borkenkäfer“ ein. Dass im Wirtschaftswald Schaden von einem Befall ausginge, sei nachvollziehbar. Im Nationalpark sei das aber kein Thema. Er unterstrich, dass der Verbreitungsradius der Käfer sich in der Regel auf 500 Meter beschränke. Neben positiven Auswirkungen auf Artenschutz und Artenvielfalt profitiere vor allem auch der Tourismus vom Nationalpark. Die finanziellen Vorteile daraus seien – so Waldenspuhl – deutlich höher als die Verluste durch einen fehlenden Holzeinschlag. Zum Schluss seines Vortrags machte Waldenspuhl klar: „Wir brauchen einen Nationalpark aus Vorsorgegründen, aus Klugheit und um dazu beizutragen, das Werden, Wachsen und Vergehen erlebbar zu machen“.

Verleihung der LNV-Ehrennadel an zwei Naturschützer
Gleich zu Beginn wurden bei der Mitgliederversammlung zwei aktive Natur- und Umweltschützer für ihre außergewöhnlichen Verdienste mit der LNV-Ehrennadel ausgezeichnet: Dr. Berthold Laufer, engagierter Sprecher des LNV-Arbeitskreises Tuttlingen und Vorsitzender der BUND Ortsgruppe ist für sein überdurchschnittliches Engagement und seinen unerschrockenen Einsatz auf dem Gebiet des Umwelt- und Naturschutzes über die Kreisgrenzen hinaus bekannt. „Mit Dr. Berthold Laufer haben wir einen hervorragenden und weit überdurchschnittlich engagierten Sprecher mit umfangreichen Kenntnissen gewonnen“, freut sich Ehret. Bei seinen Aktivitäten lasse sich der Naturschützer – selbst bei persönlichen Attacken – nicht einschüchtern.

Mit der Ehrennadel des LNV ausgezeichnet wurde auch der Geschäftsführer des Landschaftserhaltungsverbandes (LEV) Ostalbkreis Ralf Worm. Der Physiker hat sich sein fundiertes ökologisches Wissen in Eigenregie angeeignet. Als Erster im Land hatte Worm mit seinem Projekt „HeckHack“ schon vor Jahren dafür gesorgt, dass das anfallende Schnittgut aus der Heckenpflege energetisch verwertet wird. „Ralf Worm ist ein hervorragender Botschafter für die Landschaftserhaltungsverbände mit hoher Überzeugungskraft“, sagte Ehret bei der Überreichung der Urkunde. Es sei ihm gelungen, im Ostalbkreis ein gutes Verhältnis zu Landwirten und Kommunalpolitikern aufzubauen, die den Landschaftserhaltungsverband als fairen und nützlichen Partner betrachten.

Download Fotografien und ausführlichere Informationen:
Dr. Berthold Laufer, Pressemitteilung: LNV-PM Ehrennadel Dr. Laufer
Fotos: http://wp.me/a3eNjg-1pS (Von links nach rechts: Reiner Ehret und Dr. Berthold Laufer)
http://wp.me/a3eNjg-1pQ (Von links nach rechts: Ralf Worm, Reiner Ehret, Dr. Berthold Laufer)
http://wp.me/a3eNjg-1pR (Von links nach rechts: Ralf Worm und Dr. Berthold Laufer)

Ralf Worm, Pressemittteilung: LNV-PM Ehrennadel Worm
Fotos: http://wp.me/a3eNjg-1pP (Von links nach rechts: Reiner Ehret und Ralf Worm)
http://wp.me/a3eNjg-1pQ (Von links nach rechts: Ralf Worm, Reiner Ehret, Dr. Berthold Laufer)
http://wp.me/a3eNjg-1pR (Von links nach rechts: Ralf Worm und Dr. Berthold Laufer)

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