30. September 2015 Mehr Nachhaltigkeit bei der Bioenergie

Grenzen bei etlichen Nutzungsformen überschritten

Bioenergie hat viele Vorteile. Sie kann (fast) überall erzeugt werden, ist speicherbar und kann so Verbrauchsschwankungen ausgleichen. Sie ist vielseitig und lässt sich als Strom, Wärme und Kraftstoff nutzen. Zunehmend werden jedoch auch ihre Schattenseiten sichtbar. Bioenergie tritt in Konkurrenz zur landwirtschaftlichen Nahrungsproduktion, führt zu erhöhten Agrarimporten (mit Folgen in den Herkunftsländern), kann zur Intensivierung und Monotonisierung der Feldflur führen und tritt im Wald in Konkurrenz zu stofflicher Nutzung und zu Biodiversitätszielen.

Der LNV hat sich in der Vergangenheit für den Ausbau der Bioenergienutzung ausgesprochen, allerdings auch auf ihre Grenzen hingewiesen (siehe: Gemeinsame Position von LNV, BLHV und LBV „Für eine umweltgerechte Energieversorgung – Neue wirtschaftliche Perspektiven für Bauern und den ländlichen Raum“, September 2003) Durch den nationalen und internationalen starken Anstieg der Bioenergienutzung sind diese Grenzen bei etlichen Nutzungsformen erreicht oder überschritten. Gleichzeitig liegen noch umweltverträgliche Potenziale brach. Es kann daher heute kein Ziel mehr sein, die Bioenergienutzung pauschal weiter auszubauen, sondern sie umzubauen und differenzierter zu nutzen: mit weniger Mais und Raps, dafür mit mehr Bioabfällen, Landschaftspflegematerial und Biomasse aus mehrjährigen oder aus dauerhaften Kulturen.

Bisher stehen die Zeichen noch auf Ausbau. Bei einigen Nutzungsformen ist es aber Zeit, die Notbremse zu ziehen. Der LNV legt mit dieser Neupositionierung dar, wie aus Sicht des LNV die verschiedenen Bioenergie-Nutzungspfade zu bewerten sind, zieht daraus seine Schlussfolgerungen und stellt konkrete Forderungen an die Politik.

Als Ergebnis bleibt festzuhalten:
• Ökologisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich ist es nicht sinnvoll, über Biogas oder durch Ölfruchtanbau Energie vom Acker zu erzeugen, da dies zu Konkurrenz mit dem Anbau von Nahrungs- und Futtermitteln und also Folge verstärkten Importen führt
• Will man auf der Fläche Bioenergie erzeugen, so sind Kurzumtriebs-Plantagen und mehrjährige Kulturen wesentlich effizienter und mit geringeren ökologischen Risiken verbunden (höhere Nettoenergieerträge, bessere Spitzenstromtauglichkeit, Humusanreicherung im Boden, keine Bodenerosion, bessere Wasserhaltefähigkeit, etc.).
• Energetische Holznutzung ist nur in dem Umfang sinnvoll, wie keine Konkurrenz zur stofflichen Nutzung entsteht, den Waldböden nicht zu viel Nährstoffe entzogen werden und genug Totholz im Wald verbleibt.
• Wird die Bioenergienutzung auf die ökologisch und ökonomisch sinnvollen Pfade beschränkt, so sind die Ausbauziele für Bioenergie in den meisten Szenarien zu hoch gegriffen.

Der LNV präzisiert mit diesen Ausführungen seinen Standpunkt zur Bioenergie, der in der „LNV-Position zur Energiewende in Baden-Württemberg“ dargestellt wird. Diese LNV-Position zur Energiewende in Baden-Württemberg (LNV-Position zur Energiewende)wurde von der LNV-Mitgliederversammlung am 12. Mai 2012 mit überwältigender Mehrheit verabschiedet und im September 2015 überarbeitet.

LNV-Position
Mehr Nachhaltigkeit in der Bioenergie

Themen zu diesem Artikel: Bio-Energie, Biologische Vielfalt, Energie, Klima, Luft, Lärm, Licht, Landwirtschaft, Naturschutz und Landschaftspflege, Positionen

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