Rückblick auf LNV-Tagung zur Agrarpolitik

„Zukunftsforum Naturschutz“ am 16.11.2019 in Stuttgart mit über 200 Teilnehmenden

LNV-Tagung zur Agrarpolitik sorgt für lebhafte Diskussionen

Resolution verabschiedet: EU, Bund und Land sollen Agrarpolitik auf eine nachhaltigere Landwirtschaft hin ausrichten

 

„EU‐Agrarreform – was blüht uns da?“, fragte der Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg (LNV) provokant im Titel seiner diesjährigen Tagung „Zukunftsforum Naturschutz“ in Stuttgart. Trotz hochkarätiger Referenten konnte auf diese Frage niemand eine gesicherte Antwort geben. Denn die Weichen für die zukünftige Agrarpolitik werden derzeit erst gestellt. Die Diskussionen laufen europaweit. Umso eindrücklicher waren die unterschiedlichen Einschätzungen, Sichtweisen und Forderungen, die die Referenten aus Landwirtschaft, Naturschutz, Politik und Forschung den über 200 Teilnehmenden vorstellten. Mit Norbert Lins, dem Vorsitzenden des Agrarausschuss im EU-Parlament, stellte sich in Stuttgart auch ein entscheidender Politiker der Diskussion.

„Fakt ist: Die Landwirtschaft hat massiven Einfluss auf die Umwelt und die biologische Vielfalt“, sagte der LNV-Vorsitzende Dr. Gerhard Bronner. „Fakt ist auch, dass die Bestände der Feldvögel seit Jahren abstürzen, einst häufige Ackerwildkräuter verschwinden und das Insektensterben voranschreitet. Das zeigt, dass wir den Einfluss der Landwirtschaft auf Natur und Umwelt zukünftig wieder zum Positiven nutzen müssen. Und dafür brauchen wir dringend eine andere Agrarpolitik, die das ermöglicht und befördert.“

Wie diese neue Agrarpolitik konkret aussehen könnte, zeigte Dr. Rainer Oppermann in seinem Vortrag. Der Leiter des Instituts für Agrarökologie und Biodiversität in Mannheim stellte die Studie „Kulturlandschaft 2030 Baden-Württemberg“ vor. Sie untersucht, wie das Land Baden-Württemberg seine Agrarförderung so umgestaltet könnte, dass sie die biologische Vielfalt stärkt. Kernpunkte sind dabei naturfördernde Maßnahmen attraktiver zu honorieren, Fördermaßnahmen besser miteinander kombinierbar zu machen, eine höhere Breitenwirkung zu erzielen und die Agrarförderung zu entbürokratisieren.

Mit Norbert Lins MdEP, dem Vorsitzenden des Ausschusses für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung im Europäischen Parlament, und dem Vorsitzenden des Agrarausschusses im Landtag, Martin Hahn MdL, nahmen auch zwei Politiker aktiv an der Tagung teil, die die Agrarpolitik in EU und Land derzeit entscheidend mitprägen.

 

Resolution „Nachhaltige Landwirtschaft möglich machen!“

In einer Resolution forderten die Teilnehmenden abschließend EU, Bund und Land auf, die Agrarförderung so umzugestalten, dass Leistungen für Artenvielfalt und Umweltschutz attraktiv honoriert werden. Zudem riefen sie die Verbraucherinnen und Verbraucher auf, beim Einkaufen naturschonende Produktionsweisen konsequent zu unterstützen.

An die Landwirtinnen und Landwirte appelliert die Resolution, auf gesamtgesellschaftlichen Leistungen etwa für Natur und Umwelt ebenso stolz zu sein wie auf die Produktion von Lebensmitteln. „Wer gesunde Nahrungsmittel produziert, gleichzeitig Vögeln, Insekten und anderen Wildtieren und -pflanzen das Überleben sichert, Böden und Gewässer schützt und damit auch die Lebensgrundlagen von uns Menschen bewahrt, darf stolz auf seine Arbeit sein“, heißt es in der Resolution.

Veranstalter des „Zukunftsforums Naturschutz“ sind der Landesnaturschutzverband als Dachverband der Natur- und Umweltschutzverbände in Baden-Württemberg sowie das Evangelische Bildungszentrum Hospitalhof Stuttgart.

Die Tagungsbeiträge werden demnächst im Internet veröffentlicht.

 

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