Naturschutzverbände im Land unterstützen Anerkennung von Streuobst als immaterielles Kulturerbe der UNESCO

Sinkende Erzeugerpreise für Bio-Obst sind weiterer Sargnagel für Streuobst

Die drei Umwelt- und Naturschutzverbände LNV, NABU und BUND in Baden-Württemberg unterstützen den vom Verein Hochstamm Deutschland eingereichten Antrag auf Anerkennung des Streuobstanbaus als Immaterielles Kulturerbe durch die UNESCO. Die drei Verbände sind Mitglieder bei Hochstamm Deutschland. Das Land Baden-Württemberg hat den Antrag auf Anerkennung im April 2020 bereits befürwortet. Als nächster Schritt steht nun auf Bundesebene die Entscheidung der Kultusministerkonferenz im März an. Gleichzeitig sehen die Verbände die Streuobstbestände im Land aufgrund sinkender Preise für Bio-Mostobst weiter gefährdet.

„Nachdem die Preise für Bio-Mostobst aus Streuobst in Deutschland dramatisch sinken, wird es immer wichtiger, den Mehrwert von Obst aus Streuobstwiesen herauszustellen. Ein Baustein dafür ist die Anerkennung des Streuobstanbaus als immaterielles Kulturerbe durch die UNESCO“, betont Martin Engelhardt, Streuobstexperte beim Landesnaturschutzverband (LNV). Derzeit kündigen Keltereien reihenweise ihre Verträge mit Bio-Streuobsterzeugern. Die Abnehmerpreise haben sich fast halbiert. Hintergrund ist der seit 2014 ausgeweitete Anbau von Bio-Obst in Plantagen im europäischen Ausland und am Bodensee. Die Plantagen kommen jetzt in die Ertragsphase und liefern billiges Plantagen-Bioobst.

Bio-Obstplantagen weiterer Sargnagel fürs Streuobst
Der LNV sieht darin einen weiteren Sargnagel für die ohnehin hoch gefährdeten Streuobstbestände im Land. Die Streuobstbestände gehen landesweit weiterhin dramatisch zurück. Wenn sich der Trend fortsetzt, ist Baden-Württemberg in etwa 30 Jahren ohne nennenswerte Streuobstbestände und hat seine europaweit bedeutsamen Hotspots der Artenvielfalt für immer verloren, fürchtet der LNV.

Zukunft von Streuobst sichern
Der NABU sieht auch die Landesregierung in der Pflicht, um den Streuobstanbau in eine gesicherte Zukunft zu führen: „Baden-Württemberg ist Streuobstland Nummer eins – nicht nur bundesweit, sondern in ganz Europa. Doch vor allem Hochstämme sind von Überalterung und mangelnder Pflege bedroht. Gerade die Hochstamm-Obstbaumwiesen sind aufgrund ihres Artenreichtums für den Erhalt der biologischen Vielfalt von immenser Bedeutung. Damit Streuobstwiesen weiter blühen können und als artenreiche Kulturlandschaft erhalten und gepflegt werden, brauchen ihre Besitzerinnen und Besitzer mehr Unterstützung von der Landesregierung“, sagt Ingrid Eberhardt-Schad, Streuobstexpertin beim NABU Baden-Württemberg. „Die Baumschnittprämie ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Dennoch braucht es weitere Anstrengungen, um diesen einzigartigen Lebensraum zu erhalten.“
„Die Auszeichnung als Immaterielles Kulturerbe wäre eine wichtige Anerkennung für alle Menschen, die sich im Streuobstbau engagieren, und für das Land eine Verpflichtung, sich besser als bisher um die Streuobstbestände zu kümmern“, ergänzt Almut Sattelberger, Streuobstexpertin des BUND Baden-Württemberg. Sie hofft nun auf einen positiven Beschluss der Kultusministerkonferenz im März.

Zur Pressemitteilung von Hochstamm Deutschland vom 15.02.2021„Streuobst ist Kult: Hochstamm Deutschland zeigt die Vielfalt dieses Kulturerbes“: https://www.hochstamm-deutschland.de Kontakt kontakt@hochstamm-deutschland.de

PM zum herunterladen: LNV-NABU-BUND: Streuobst als immaterielles Kulturerbe

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