Artenkenntnis entwickelt sich zur Geheimwissenschaft

LNV-Umfrage bestätigt Expert*innen-Mangel

LNV fordert Umdenken bei der Ausbildung von Fachpersonal

pdf zum download: LNV-Pressemitteilung: Mangel an Artenkennern

Bereits im Herbst 2020 führte der LNV eine Bedarfsabfrage von Arten-Expert*innen bei Behörden in Baden-Württemberg durch. Im Frühjahr 2021 schloss sich eine entsprechende Befragung bei Planungsbüros an. Die Ergebnisse beider Umfragen zeigen ein einhelliges Bild: Sowohl Behörden wie auch Gutachterbüros beklagen einen Mangel an Expertinnen und Experten für unterschiedlichste Artengruppen. Naturschutzbehörden sind von dieser Entwicklung sogar doppelt betroffen: bei der Einstellung von Personal und bei der Vergabe von gesetzlich vorgeschriebenen artenschutzrechtlichen Gutachten im Rahmen von Planungsverfahren.

Der LNV-Vorsitzende Dr. Gerhard Bronner zieht aus den Ergebnissen den vorliegenden Ergebnissen den Schluss, dass die Hochschulen aktuell eine bestehende Marktnachfrage nicht bedienen. Dieser Mangel wird sich aus seiner Sicht weiter verschärfen, zumal seit 2020 alle Kommunen Biotopverbundplanungen erstellen müssen. „Es führt kein Weg daran vorbei, dass die klassischen Universitäten im Biologiestudium wieder in angemessenem Umfang Artenkenntnis vermitteln“, bedauert Dr. Bronner. Einen dafür wichtigen Impuls habe die Landesregierung mit ihrer Initiative „Integrative Taxonomie“ gegeben.

Artenkenner schwer zu finden
An der Umfrage des LNV beteiligten sich insgesamt 16 Planungsbüros und 38 meist größere Behörden. Mehr als die Hälfte der Behörden meldeten Schwierigkeiten, benötigte Artenkenner und Artenkennerinnen unter Vertrag zu nehmen. Dies gilt für fast alle im Rahmen von Planungsverfahren zu untersuchenden Artengruppen, insbesondere für Vögel, Amphibien und Reptilien sowie Tag- und Nachtfalter. Die befragten Gutachtenbüros nannten hier Insekten, Säugetiere und Blütenpflanzen.

Fehlende Ausbildung zum Artenkenner
Behörden und Gutachtenbüros wurden auch zu den aus ihrer Sicht vorherrschenden Gründen für den Rückgang der Expertinnen und Experten befragt. Von beiden Befragtengruppen werden hierfür hauptsächlich mangelnder Nachwuchs benannt. Gleichzeitig bewegen sich viele der Expertinnen und Experten auf ihren Ruhestand zu. Als Ursache für den mangelnden Nachwuchs werden von Behörden wie auch Gutachtenbüros hauptsächlich fehlende Ausbildungsangebote in der universitären Ausbildung verantwortlich gemacht. Von einigen der Gutachtenbüros wird darüber hinaus fehlendes Interesse der Studierenden und unattraktive Entlohnung als Grund für den Nachwuchsmangel vermutet.

Zunehmender Bedarf für Artenkenner
Abschließend bestätigen die meisten der befragten Planungsbüros einen zunehmenden Bedarf an Artenexpertinnen und -experten. Als Gründe benennen sie vorrangig Änderungen im Naturschutzrecht sowie mehr Planungen, die mit Eingriffen in die Natur verbunden sind und somit mit artenschutzrechtlicher Begutachtung verbunden sind.

Projektkoordination Initiative Artenkenntnis: Kathrin Schlecht, kathrin.schlecht@initiative-artenkenntnis.de

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