Spurenstoffe

Spurenstoffe in Gewässern

Wo kommen sie her und was für Auswirkungen haben sie?

Bis zu 70.000 Chemikalien kommen täglich zum Einsatz. Viele dieser in Massen eingesetzten Stoffe verbreiten sich in kleinsten, aber wirksamen Mengen als Spurenstoffe in der Natur und bleiben dort über lange Zeit erhalten. Spurenstoffe können sich gegenseitig beeinflussen und in ihrer Wirkung verstärken. Sie schädigen Organismen wie Fische und Insekten und reichern sich in Nahrungsketten an.

„Als Spurenstoffe werden organische anthropogene Stoffe bezeichnet, die in einer geringen Konzentration von weniger als einem millionstel Gramm (< 1 µg/l) in unseren Gewässern nachzuweisen sind. Durch die verbesserte Analytik wurde es in den letzten Jahren möglich, diese zu bestimmen. Zu den Spurenstoffen zählen beispielsweise Arzneimittelwirkstoffe, Röntgenkontrastmittel, Duftstoffe in Körperpflege- und Reinigungsmitteln, Biozide, Flammschutzmittel, perfluorierte Chemikalien (PFC) sowie Stoffe mit hormonähnlichen Wirkungen.“(Umweltministerium Baden-Württemberg)

Auch über Freizeit- und Outdooraktivitäten verbreiten sich Spurenstoffe in der Umwelt. Z.B. haben Wanderhütten inmitten der Natur selten Anschluss an eine Kläranlage. Dort ist es besonders wichtig, nur biologisch gut abbaubare Seifen, Duschgels u.a. zu verwenden. Umweltbewusste Natursportler achten beim Kauf von Textilien, Schuhen, Rucksäcken, Zelten sowie Skiwachs und Fahrradkettenspray auf PFC-Freiheit (Per- und polyfluorierte Chemikalien).

Jeder kann dazu beitragen, dass Spurenstoffe in unserer Umwelt weniger werden! Für Menschen, die sich oft und gerne in der Natur aufhalten, hat der Landesnaturschutzverband (LNV) ein neues Faltblatt über Spurenstoffe herausgegeben.

LNV-Flyer: Spurenstoffe – Was sind das? Und was geht mich das an?
LNV-Info 1/2018: Spurenstoffe – Wo kommen sie her und wie wirken sie? Eine kleine Einführung

Hilfreiche Begriffserklärungen
Linksammlung

Hilfreiche Begriffserklärungen

Richt- und Grenzwerte für Stoffkonzentrationen

    • Grenzwerte der Trinkwasserverordnung (TrinkwV, 2001), wissenschaftlich (humantoxikologisch) oder technisch abgeleitete Stoffkonzentrationen, die im Trinkwasser nicht überschritten werden dürfen. Für weitere Stoffe gelten GOW
  • Gesundheitlicher Orientierungswert (für Trinkwasser) = GOW, unbedenkliche Höchstkonzentration eines Stoffes im Trinkwasser bei lebenslanger Aufnahme; dabei werden Vorsorge-, Besorgnis- und Maßnahmenwerte unterschieden

 

  • Umweltqualitätsnorm der EU (2000/01/13) = UQN für die Erreichung / Einhaltung eines guten chemischen Zustands eines Gewässers. Diese gibt es für 33 prioritäre Stoffe, davon sind 21 als gefährlich eingestuft. Die UQN wird entweder als Schwellenwert für Durchschnitts-Konzentrationen über 1 Jahr, oder als zulässige Höchstkonzentration für eine Einzelmessung angegeben (GrwV. 2010/OGwV.2011, teilw. nationale bzw. regionale Festlegung durch UBA)

 

  • Geringfügigkeitsschwellenwert = GSW der LAWA, human- und ökotoxisch unbedenkliche, zulässige Stoffkonzentrationen im Grundwasser. Relevant z.B. für die Erkennung und Beurteilung von Altlasten und Grundwasser-Schadensfällen sowie für die Festlegung von Sanierungszielen.(aktualisierte Fassung 2016)

 

  • Hintergrundwerte = Konzentration organischer und anorganischer „Schadstoffe“ im Boden aus geogener Herkunft (Ausgangsgestein, Grundwasserleiter), pedologischer An- und Abreicherung sowie ubiquitärer diffuser Herkunft.

 

Linksammlung

Hilfreich für den Alltag

www.arzneimittelentsorgung.de
Wie entsorge ich Arzneimittel?Auf dieser Webseite bekommen Sie die Antwort. Wählen Sie Ihren Landkreis über die Deutschlandkarte oder Ihre kreisfreie Stadt über das Menü auf der rechten Seite und finden Sie heraus, wie Sie Arzneimittel umweltbewusst entsorgen können.

http://www.detox-outdoor.org/de-CH/
Die Greenpeace Detox- Kampagne hat zum Ziel, dass die großen Outdoor-Marken PFC und alle anderen gefährlichen Chemikalien aus ihrer Produktionskette entfernen. „Der neue Trend für jede coole, innovative, verantwortungsvolle und umweltfreundliche Outdoor-Marke muss sein, PFC-freie Alternativen zu nutzen und auf giftfreie Produktion zu wechseln.“, so Greenpeace.Manch Outdoor-Firma hat sich durch die Unterzeichnung des Detox-Commitmentdazu verpflichtet, ihre Outdoor-Produkte ohne PFC herzustellen. Welche das sind und mehr Informationen zur Kampagne finden Sie auf dieser Homepage.

http://www.eu-ecolabel.de/home.html
Das Anfang der 90er durch eine EU-Verordnung (Verordnung EWG 880/92) eingeführte freiwillige EU Ecolabel hat sich nach und nach als Referenz für Verbraucher etabliert, die mit ihrem Kauf von umweltfreundlicheren Produkten zu einer besseren Umwelt beitragen wollen. Die Bandbreite der Produkte, die diese Label tragen reicht von sämtlichen Haushaltsartikeln über Möbel und technischen Geräten bis hin zu Bodenbelägen sowie Innen- und Außenfarben bzw. Lacken. Sie wollen Produkte Ihrer Einkaufsliste auf das Ecolabel prüfen? Dann sind Sie hier genau richtig.

http://ec.europa.eu/ecat/
Dies ist der Direktlink zum Produktkatalog des EU Ecolabel

https://www.blauer-engel.de/
Der Blaue Engel ist ein deutsches Umweltzeichen mit 12.000 Produkten von 1.500 Unternehmen. Produkte und Dienstleistungen mit dem Blauen Engel garantieren, dass sie hohe Ansprüche an Umwelt-, Gesundheits- und Gebrauchseigenschaften erfüllen. Das Umweltbundesamt überprüft alle paar Jahre die zu erfüllenden Kriterien, um die technische Entwicklung widerzuspiegeln. Der Blaue Engel stellt ein breites Spektrum an Produkten dar, welches Sie hier einsehen können.

https://www.sustainable-cleaning.com/en.home.orb
Die Urkunde für nachhaltige Reinigung ist eine freiwillige Initiative der europäischen Reinigungsmittel-, Seifen- und Instandhaltungsindustrie. Ziel ist es, die gesamte Branche zu einer kontinuierlichen Verbesserung der Nachhaltigkeit zu ermutigen und dass sich Verbraucher nachhaltigere Wasch-, Reinigungs- und Haushaltsgewohnheiten aneignen.

https://www.bund.net/bund-tipps/detail-tipps/tip/biologische-pflanzenschutzmittel/
Der BUND hat jede Menge Tipps und Tricks, wie man ohne chemische Pflanzenschutzmittel im Garten auskommt. Denn diese schädigen unsere Umwelt und belasten die Selbstregulationskräfte der Natur nachhaltig

Spurenstoffe, Abwasser und Artenrückgang

http://www.koms-bw.de/
Sie interessieren sich für die aktuellen Möglichkeiten der Spurenstoffelimination in Kläranlagen? Dann sind sie beim Kompetenzzentrum für Spurenstoffe (KomS) Baden-Württemberg genau richtig. Auf dieser Homepage finden Sie Informationen rund um das Thema 4. Reinigungsstufe.

Pressemitteilung: Artenrückgang in kleineren Gewässern
Landwirte und Obstbauern tragen eine besondere Verantwortung beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, wie Umweltminister Franz Untersteller darauf hingewiesen hat. Stichprobenartige Untersuchungen in der Bodenseeregion haben einen Artenrückgang in kleineren Gewässern aufgezeigt. Ein Zusammenhang mit in Landwirtschaft und Obstanbau eingesetzten Pestiziden ist wahrscheinlich.

http://schussenaktivplus.de/
Das Verbundprojekt SchussenAktiv und SchussenAktivplus (BMBF Fördermaßnahme RiSKWa (Risikomanagement von Spurenstoffen und Keimen im Wasserkreislauf), Förderkennzeichen FKZ 02WRS1281A-L), untersuchte über Jahre hinweg den Eintrag von Mikroschadstoffen und Keimen durch verschiedene Kläranlagen sowie Regenüberlaufbecken an der Schussen und der Argen, die hierbei als Kontrolle fungierte. Beispielsweise wurden die seit 2013 erhobenen Daten der damals mit einer vierten Reinigungsstufe neu ausgebauten Kläranlage Langwiese mit den gesammelten Daten von vor dem Ausbau der Kläranlage verglichen. Hierdurch konnte die Effizienz der Pulveraktivkohle- Klärstufe (vierte Reinigungsstufe) nachgewiesen werden.

Anthropogene Spurenstoffe im Bodensee und seinen Zuflüssen
Die Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB) hat 2015 einen lesenswerten Bericht zum Thema Anthropogene Spurenstoffe im Bodensee veröffentlicht. Inhalt ist dabei die Neubewertung des chemischen Zustands nach den Kriterien der europäischen Wasserrahmenrichtlinie.

Spurenstoffinventar der Fließgewässer in Baden- Württemberg
Diese Publikation der LUBW gibt nicht nur einen Überblick über die Verteilung von 86 organischen Spurenstoffen in Kläranlagen und Fließgewässern in Baden-Württemberg, sondern auch darüber, wie sich diese Spurenstoffe bei der Abwasserreinigung verhalten.

Arzneimittelabgabe-Inpflichtnahme des Arzneimittelsektors für Maßnahmen zur Reduktion der Mikroschadstoffen in Gewässern
Arzneimittel werden im Bereich der Stoffeinträge sehr intensiv diskutiert. Unabhängig von den Maßnahmen zur Reduktion der Konzentrationen von Spurenstoffen in Gewässern stellt sich zum einen die Frage, wie Akteure des Arzneimittelsektors, vor allem die Hersteller, nach dem Verursacherprinzip angemessen an den Kosten dieser Maßnahmen beteiligt werden und zum anderen, wie den entscheidenden Personen entlang der Nutzungskette entsprechende Kosten-Signale übermittelt werden können. Dieser Problematik nimmt sich das Umweltbundesamt in ihrem Bericht an.

Policy Paper: Empfehlungen des Stakeholder Dialogs “Spurenstoffstrategie des Bundes”
In diesem Policy Paper werden die Ergebnisse aus dem Stakeholder-Dialog »Spurenstoffstrategie des Bundes«basierend auf den Workshops zu Minderungsstrategien an den Quellen, in der Anwendung und auf Basis nachgeschalteter Maßnahmen sowie zur Zusammenführung der Handlungsempfehlungen vorgestellt.

Maßnahmen des Umweltbundesamtes zur Verminderung des Eintrages von Mikroschadstoffen in die Gewässer:
Phase 1&Phase 2

Anthropogene Spurenstoffe im Gewässer- Spurenstoffbericht Baden-Württemberg von 2012
In diesem, schon etwas älteren- aber immer noch aktuellen, Bericht des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaftwerden die Erkenntnisse zur Belastung der Gewässer mit anthropogenen Spurenstoffen insbesondere aus dem Bereich der Abwasserbeseitung in Baden- Württemberg dargestellt.

Wasserrahmenrichtlinie

https://www.umweltbundesamt.de/Broschüre zur Wasserrahmenrichtlinie
Die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) der EU fordert bis 2027 für alle Gewässer einen „guten Zustand“. Dies bedeutet hohe Wasserqualität und gute Lebensbedingungen für im und am Wasser lebende Pflanzen und Tiere. Der Bericht des Umweltbundesamts von 2015 gibt einen Überblick über den aktuellen Stand der Gewässerqualität und welche Maßnahmen zukünftig noch umgesetzt werden müssen, um das Ziel „guter Zustand“ zu erreichen.

Umweltqualitätsnormen für Oberflächengewässer
Diese Seite bietet einen Überblick über sämtliche EU-Richtlinien und ihren Änderungen im Bereich der WRRL und Umweltqualitätsnormen

EU-Richtlinie 2013/39/EU
Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates vom 12. August 2013 zur Änderung der Richtlinien 2000/60/EG und 2008/105/EG in Bezug auf prioritäre Stoffe im Bereich der Wasserpolitik

Stand: 29.01.2018, zusammengestellt von M. Sc. Teresa Carl