Auswirkungen von Spurenstoffen immer problematischer

Gewässerschutz im Klimawandel – noch gewappnet oder schon geliefert?

Klimaveränderungen machen die Wirkungen von Medikamenten und Chemikalien auf Fische und Gewässerorganismen völlig unberechenbar

 

Beim aktuellen Expertengespräch des Landesnaturschutzverbandes Baden-Württemberg (LNV) im Rahmen des Fortbildungsprogramms StEiN (Stärkung des Ehrenamtes im Naturschutz) stand Professor Dr. Rita Triebskorn von der Universität Tübingen zu dem Thema: „Unsere Gewässer im Klimawandel – Noch gewappnet oder schon ausgeliefert?“ Rede und Antwort. Sie sprach über die bisher in der Öffentlichkeit wenig wahr genommenen Probleme, die Spurenstoffe in Gewässern verursachen.

 

Wasserqualität lässt nach wie vor zu wünschen übrig

„Die Wasserqualität in unseren Flüssen und Seen lässt immer noch sehr zu wünschen übrig“, stellte Prof. Rita Triebskorn gleich zu Beginn klar. In Baden-Württemberg sind gerade einmal knapp 7 Prozent der Gewässer in einem guten Zustand, 20 Prozent geht es schlecht bis sehr schlecht. Und den Lebewesen, die diese Gewässer bewohnen, geht es nicht viel besser. Sie sind umspült von einem sich kontinuierlich verändernden Chemikaliencocktail und haben keine Möglichkeit zu entkommen. Das umgebende Wasser ist ihr Lebensraum.

Spurenstoffe finden sich im gesamten Wasserkreislauf

Spurenstoffe sind stark verdünnte Chemikalien unseres täglichen Lebens. Darunter fallen viele der in Reinigungsmitteln, Pflegeprodukten, Kosmetika, Nahrungs (ergänzungs)-mitteln, Arzneimitteln, Pflanzenschutzmitteln oder in unserer Outdoorbekleidung eingesetzten Stoffe. Diese verbreiten sich in kleinsten, aber wirksamen Mengen als Spurenstoffe in der Wasserwelt und bleiben dort über lange Zeit erhalten. Sie finden sich im gesamten Wasserkreislauf wieder und können sich gegenseitig beeinflussen und verstärken. Es ist kaum bekannt, welche Wirkung sie dann entfalten.

Klimawandel wirkt als Verstärker

Der Klimawandel verstärkt diese Verhältnisse noch, denn Starkregenereignisse oder Trockenperioden verändern die Schadstoffkonzentrationen und die Art ihrer Mischungen zusätzlich. Bei trockenem Wetter führt das zu enormem Stress in der Wasserwelt, da gleichzeitig auch noch der Sauerstoffgehalt durch die erhöhten Temperaturen im Wasser sinkt und die Wärme den Organismen zusätzlich zu schaffen macht.

Konsum und Komfortverhalten mit verantwortlich

Neben anderem ist unser Konsum- und Komfortverhalten mit dafür verantwortlich, dass alle zweieinhalb Minuten ein neuer chemischer Stoff irgendwo auf der Welt dazukommt. Heute sind circa 350.000 verschiedene chemische Substanzen auf dem Markt, mehr als 2500 davon sind Arzneimittelwirkstoffe und 30.000 Tonnen werden jährlich allein bei uns verbraucht.

„Die Gifte müssen raus aus dem Wasser und jede und jeder von uns ist Teil der Lösung“ ist denn auch Triebskorns Fazit. Die Politik kann die Rahmenbedingungen schaffen, problematische Stoffe oder die Werbung für Arzneimittel verbieten und die Aufklärung in der Bevölkerung forcieren. Die Kommunen können ihren Teil dazu beitragen, indem sie in die Zukunft investieren, ihre Kläranlagen und Regenrückhaltebecken auf den neuesten Stand bringen und z.B. Aktivkohle zur weitergehenden Abwasserreinigung einsetzen.

Verantwortungsbewusster Umgang mit Putz- und Arzneimitteln wichtig

„Verbraucherinnen und Verbraucher müssen verantwortungsbewusster mit Haushaltschemikalien und Arzneimitteln“ umgehen!“ appelliert Triebskorn. Sind all die Wasch- und Reinigungsmittel wirklich nötig?  Oft gibt es weniger schädliche Alternativen und ist weniger vielleicht mehr. Muss es immer sofort die Schmerztablette oder die Schmerzcreme sein? Abgelaufene Medikamente gehören in Baden-Württemberg in den Restmüll und auf keinen Fall in den Abfluss oder die Toilette. Hände sollten nach der Verwendung von Schmerzcremes mit einem Tuch abgewischt werden, das dann im Restmüll entsorgt wird.

„Es bleibt keine Zeit mehr, um Schuldige zu suchen und Verantwortung hin und her zu schieben, jetzt müssen und können wir alle handeln, um das Artensterben in unseren Gewässern zu stoppen“ fasste Jutta Ortlepp, die Leiterin des Projektes StEiN, zur Stärkung des Ehrenamtes im Naturschutz im LNV den Vortrag und die Diskussion zusammen und schloss den Abend.

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Hintergrundinformationen

Spurenstoffe

https://lnv-bw.de/spurenstoffe-in-gewaessern/

https://um.baden-wuerttemberg.de/de/umwelt-natur/wasser-und-boden/abwasser/spurenstoffe/

https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/empfehlungen-zur-reduzierung-von-0

http://hdl.handle.net/10900/74316

Das Projekt “StEiN” – Stärkung des Ehrenamtes im Naturschutz

Ehrenamtliche Naturschützer und -schützerinnen benötigen fundiertes Wissen auf den unterschiedlichsten Gebieten, um ihre Rechte in Anhörungsverfahren und Naturschutzkonflikten zu kennen und diese sicher und qualifiziert wahrzunehmen. Um die Aktiven in den LNV-Arbeitskreisen und in den Verbänden fachlich und persönlich zu unterstützen und zu stärken, bietet der LNV seit Juni 2020 Seminare, Workshops und Vorträge zu fachlich- und naturwissenschaftlichen Themen, rechtlichen Fragestellungen, aber auch zu Kommunikation, Konfliktmanagement und Methodik an. Der LNV dankt dem Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft für die Förderung des Projekts.

Veranstaltungen – Landesnaturschutzverband (lnv-bw.de)

 

Fotos zu Pressezwecken (Motive anklicken und herunterladen)

 

Foto Professor Dr. Rita Triebskorn

 

Foto Jagst

 

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