Gewerbegebiete: Flächensparen durch Mehrfachnutzung

Naturschützer fordern weniger Flächenverbrauch für Gewerbegebiete
Studie belegt Flächensparpotenziale durch Parkhäuser

Der Landesnaturschutzverband (LNV) kritisiert den verschwenderischen Flächenver-brauch in Gewerbegebieten durch ebenerdige Parkplätze und ungenutzte Dachflächen. „Parkhäuser statt Großparkplätzen könnten den Flächenverbrauch reduzieren und weitere Gewerbeflächen verfügbar machen“, sagt der LNV-Vorsitzende Gerhard Bronner. Das zeigt auch eine Studie des LNV in den Landkreisen Böblingen und Ravensburg und entlang von Autobahnen. „Bei Einkaufszentren auf der grünen Wiese, bei Freizeiteinrichtungen und auch bei großen Arbeitgebern gibt es hektarweise großflächige Parkplätze“, so Bronner.
In der Studie wurden alle Gewerbegebiete über 5 ha in den Landkreisen Böblingen und Ravensburg sowie entlang der A 81 zwischen Stuttgart und Singen und der A 5 im Rheintal einbezogen. Aus Luftbildern wurde ermittelt, dass Parkplätze mit 212 ha spürbar zum Flä-chenfraß beitragen. „Davon ließen sich ¾ einsparen, wenn man statt ebenerdiger Parkplät-zen 4stockige Parkhäuser bauen würde“, rechnet der LNV vor.

Negativbeispiel: Großparkplatz der Firma Liebherr in Ehingen
Als Beispiel für eine Fehlentscheidung führt der LNV den geplanten neuen Großparkplatz der Firma Liebherr in Ehingen an. Mehr als drei ha Fläche mit geschützten Biotopen werden dort für 500 Parkplätze in Anspruch genommen – pikanterweise von einer Firma, die auch Ma-schinen produziert, mit denen Parkhäusern und Tiefgaragen gebaut werden. Der LNV nennt aber auch positive Beispiele: die Firma Audi in Neckarsulm und Elring-Klingler in Dettingen-Erms haben auf bestehenden Parkplätzen Parkhäuser errichtet.

Lenkung über das Ordnungsrecht notwendig
Mit Appellen allein lässt sich nach Ansicht von LNV-Chef Bronner der Flächenverbrauch nicht stoppen. Zu deutlich sind die Kostenunterschiede beim Bau von Parkplätzen: Ein ebenerdiger Stellplatz lässt sich für etwa 3000 Euro anlegen, ein Stellplatz in einem Parkhaus kostet min-destens 16 000 Euro. ”Lenkungsmaßnahmen über das Ordnungsrecht oder Abgaben sind deshalb zwingend erforderlich”, betont Bronner.
Flachdächer für Fotovoltaik nutzen
Riesige für Gewerbegebiete typische Flachdächer ungenutzt zu lassen sehen die Naturschüt-zer als Flächenverschwendung an. „Dort könnte man riesige Fotovoltaik-Anlagen unterbrin-gen anstatt Äcker und Wiesen zuzubauen“, bemängelt der LNV-Chef. Eine zu gering ausge-legte Statik sei häufig nur ein vorgeschobener Hinderungsgrund.

Negativbeispiel: Daimler-Werk in Rastatt
Ein negatives Beispiel sei hier das Produktionswerk von Daimler in Rastatt: Riesige Dachflä-chen sind dort ungenutzt. Auf ihnen könnte Solarstrom für tausende Haushalte erzeugt wer-den bzw. ein erheblicher Teil des Strombedarfs des Werks selbst gedeckt werden. „Anstatt eine Erweiterung des Werks in Schutzgebiete hinein zu planen, könnten die großflächigen Parkplätze überbaut werden.“

Hintergrundinformationen:
Zusammenfassung der Studie
Luftbild Liebherr-Werk Ehingen
Luftbild Daimler-Werk Rastatt
Mosolf-PKW-Auslieferungslager bei Kippenheim

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