Mit „Greening light“ lässt sich der Artenrückgang nicht stoppen

Der LNV lobt Bondes Naturschutzpolitik, will aber auch eine umweltgerechte EU-Agrarpolitik

Der LNV lobt zwar die derzeitige Naturschutzpolitik der Landesregierung, speziell die Aufstockung der Finanzmittel und das Grünlandumbruchverbot. Allerdings kann aus Sicht des Dachverbands der Natur- und Umweltschutzverbände in Baden-Württemberg ein weiterer Artenschwund nur gestoppt werden, wenn auch in der Landwirtschaft ein Umdenken stattfindet. Im Moment würden die Agrargelder innerhalb der EU im wahrsten Sinne des Wortes großflächig statt umweltgerecht verteilt.

Minister Bonde zog am Wochenende anlässlich der Vollkonferenz des Weltrates für die Biologische Vielfalt eine positive Zwischenbilanz der Naturschutzpolitik seines Hauses. Auch der LNV bestätigt Bondes Erfolge und stellt eine Aufbruchstimmung
beim Naturschutz im Land fest. „Die spürbare Aufstockung der Naturschutzmittel bietet endlich die Perspektive, wirksame Schritte gegen den Artenschwund einzuleiten“, betont der LNV-Vorsitzende Reiner Ehret.

So etwa wurden schon viele der seit langem geforderten Landschaftserhaltungsverbände innerhalb der Landkreise gegründet. „Derzeit sind es 13 und ihre Zahl wächst“, freut sich Ehret. Bis zum Jahresende rechne man mit einer fast flächendeckenden Gründung von Landschaftserhaltungsverbänden. Ein weiterer Erfolg sei das Grünlandumbruchverbot. „Für manche Regionen war das die Notbremse in letzter Minute“, weiß der LNV-Chef.

Doch der LNV ruft die Politik auch auf, gegen einen weiteren Rückgang der Artenvielfalt vorzugehen. Ein solcher sei nur zu stoppen, wenn sich auch in der Agrarlandschaft etwas ändere. „Auf diesem Sektor gab es in der Vergangenheit die meisten Verluste“, weiß der stellvertretende Vorsitzende und Landwirtschaftsreferent Dr. Gerhard Bronner. Die Zahl der Feldvögel etwa habe sich inzwischen fast halbiert.

„Einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der Biodiversität wird die anstehende EU-Agrarreform und das vorgesehene ‚Greening‘ der Agrarzahlungen haben“, glaubt der Landwirtschaftsexperte. Fakt sei, dass während sich Baden-Württemberg mit Minister Bonde für substanzielle Verbesserungen stark mache, der Agrarausschuss des EU-Parlamentes gerade eben das Gegenteil beschlossen habe.
„Die Agrargelder werden nicht vorrangig für besondere gesellschaftliche und Umweltleistungen der Landwirte, sondern großflächig im Gießkannenprinzip verteilt“, bemängelt der LNV-Vize.

Will heißen, viel Fläche – viele Euros. Ganz egal, ob es sich um riesige Mais- und Getreideschläge handelt oder um eine kleinteilige, naturverträgliche und damit arbeitsaufwändige Kulturlandschaft.

LNV-PM zur Agrarpolitik