Daimler-Werkserweiterung nicht in den Rheinauen

Ökologische Alternativen für Werkserweiterung

BUND, NABU und LNV fordern Natur- und Flächenschutz, damit Rheinauen nicht unter Beton und Asphalt verschwinden

Stuttgart/Rastatt Bei einem Gespräch zu den geplanten Umgehungsstraßen in Rastatt mit dem Oberbürgermeister der Stadt und einem Vertreter der Daimler AG haben die Vorsitzenden der Naturschutzverbände LNV, BUND und NABU klar verdeutlicht, dass sie eine Erweiterung des Werksgeländes nach Süden sowie die geplanten Umgehungsstraßen ablehnen. „Zwar haben wir Verständnis für den Wunsch nach Arbeitsplatz- und Standortsicherung, doch gleichzeitig lehnen wir eine Erweiterung des Werksgeländes mitten in bislang unberührte Natur sowie die geplanten Umgehungsstraßen ab“ so die Verbandsspitzen Brigitte Dahlbender (BUND), Johannes Enssle (NABU) und Gerhard Bronner (LNV).

„Damit sich der Verkehr auf der Straße verringert, muss eine attraktive Schienenverbindung zwischen den Daimler-Werken in Kuppenheim und Rastatt her“, fordern die Verbandsspitzen. „Daimler muss außerdem prüfen, ob die Erweiterung auch auf bestehendem Werksgelände auf den großen asphaltierten Parkflächen umzusetzen ist. Mit mehrstöckigen Park-decks ist das problemlos zu machen. Ansonsten verschwindet noch mehr wertvoller Lebensraum in den Rheinauen unter Beton und Asphalt.“

Schutzgebiete in Gefahr

BUND, NABU und LNV begrüßen ausdrücklich, dass Stadt und Daimler bereit sind, auch alternative Standorte und Lösungen in die geplante Machbarkeitsstudie einzubeziehen. Dies ist auch dringend nötig. Die jetzt vorgesehene Erweiterung des Werks nach Süden gefährdet Naturschutz-, Landschaftsschutz- und Natura 2000-Gebiete und durchschneidet einen Wild-tierkorridor von internationalem Rang. Das europäische Schutzgebietssystem Natura 2000 dient dem Erhalt europaweit bedeutender Lebensraumtypen, Tier- und Pflanzenarten. Mit hohem finanziellem Aufwand von EU-Geldern wurde hier ein Life+-Projekt realisiert. Auch diese Maßnahmen würden beeinträchtigt.

Einige dieser Schutzgebiete wurden erst im Zuge des „Rastatter Kompromisses“ eingerichtet, der vor 30 Jahren die Ansiedlung Daimlers ermöglicht hat. „Nach den derzeitigen Plänen werden sehr viele Lebensräume zerstört und viele streng geschützte Pflanzen und Tiere verlieren unwiederbringlich ihre Heimat. Es müssen alternative Pläne her“, so Dahlbender, Enssle und Bronner.

Nachhaltigkeitsbericht von Daimler sieht Schutz von Natur, Boden und Biodiversität vor

In seinem erst kürzlich veröffentlichten Nachhaltigkeitsbericht 2016 verpflichtet sich Daimler zum Schutz von Natur, Boden und Biodiversität: „Da Boden ein begrenztes Gut ist, nutzen wir Flächen möglichst effizient, etwa durch eine mehrstöckige, dichte Bebauung. Außerdem gestalten wir offene Flächen innerhalb unserer Werke nach Möglichkeit so, dass sie einheimischen Pflanzen und Tieren als Lebensraum dienen können.“ Die Naturschutzverbände nehmen da Daimler gern beim Wort: „Dann können die heimischen Pflanzen auch dort bleiben, wo sie hingehören: in der Natur und nicht auf einem Werksgelände.“

Die Spitzen von BUND, NABU und LNV fordern: „Neben der Schienenverbindung zwischen den Daimlerwerken muss auch eine alternative Verkehrsplanung für die Umgehungsstraßen folgen. Naturschutz und Flächenverbrauch müssen bei der Werkserweiterung die herausragende Grundlage der Machbarkeitsstudie sein. Die Gespräche hierfür werden wir fortsetzen.“

LNV-Pressemitteilung zum Daimler-Werk in Rastatt zum Herunterladen