Eschentriebsterben – Naturschützer gegen Panikreaktion

Landesnaturschutzverband fordert Augenmaß bei der Verkehrssicherungspflicht

Landauf, landab sterben Eschen an dem eingeschleppten Pilz Hymenoscyphus pseudoalbidus, auch Falsches Weißes Stengelbecherchen genannt: Das Eschentriebsterben bedroht eine einheimische Baumart, die als „Weltesche Yggdrasil“ ihren Platz in der germanischen Mythenwelt hatte.

Bislang vermag niemand zu sagen, ob tatsächlich das europaweite Ende der Esche naht oder dieser schöne Baum noch Überlebenschancen hat. Eifrig wird jedenfalls allerorts gefällt und gerodet, um das Eschenholz zu ernten, bevor es vom Pilz befallen wird. Besonders ins Auge fallen Rodungen, die der Verkehrssicherheit von Straßen und Wegen dienen. Hier wird nach Ansicht des Landesnaturschutzverbandes Baden-Württemberg e.V. (LNV) häufig des Guten zu viel getan.

Der LNV spricht sich gegen Panikreaktionen auf das Eschentriebsterben aus. „Wo keine Straßen oder vielbegangenen Wanderwege angrenzen, sollte man Eschen ruhig stehen lassen“, so LNV-Chef Gerhard Bronner. Solange die Bäume keine Symptome aufweisen, bestehe kein Anlass zur Beseitigung, und einige tote Bäume im Wald oder an einem Bach seien keine Katastrophe, sondern Lebensraum für spezialisierte Organismen. Kahlschläge entlang von Gewässern, wo Galeriewälder Schatten spenden und Lebensraum bieten, seien mit der Verkehrssicherungspflicht nicht zu rechtfertigen.

Vor allem aber hoffen Experten, dass sich einzelne Eschen-Individuen als resistent gegen den Pilz erweisen, so dass daraus eine künftig weniger anfällige Eschengeneration entstehen könnte. Gesunde und somit potenziell resistente Eschen sollten demnach erhalten werden (Metzler, B.; Baumann, M.; Baier, U.; Heydeck, P.; Bressem, U.; Lenz, H. (2013): Bundesweite Zusammenstellung: Handlungsempfehlungen beim Eschentriebsterben. AFZ-Der Wald 68 (5), 17-20).

Doch wird häufig gegen diese Empfehlung verstoßen – wie das Foto der Rodungen an der Wutach beispielhaft verdeutlicht. Auch wenn sich die Krankheit erschreckend schnell ausbreitet, sollte man nicht überreagieren. Bei gesunden Bäumen ohne Symptome ist nicht zu erwarten, dass kurzfristig Astabbrüche oder ein zusammenbrechender Stamm zur Gefahr für den Menschen werden.

„Es ist höchste Zeit für ein Umdenken“, so Gerhard Bronner. „Wir fordern Gemeinden, Förster, Straßenmeistereien und andere Verkehrssicherungspflichtige auf, beim Kampf gegen das Eschentriebsterben Fingerspitzengefühl und Augenmaß walten zu lassen“.

Eschen-Kahlschlag

Beseitigung des Gewässerrandstreifens an der Wutach

LNV-PM Eschenabholzung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.