Altkleidercontainer, Bild erstellt durch KI

Qualität stärken statt Wegwerfmode fördern

Naturschützer fordern stärkere Herstellerverantwortung für Textil-Recycling

Vorgezogene Entsorgungsgebühr als Mittel gegen chinesische Billigimporte

Der Landesnaturschutzverband BW (LNV), Dachverband von 37 Naturschutzvereinen, fordert von der Bundesregierung, bei der Umsetzung der EU-Abfallrichtlinie gezielte Anreize für den Kauf langlebiger Kleidung zu setzen. Die Richtlinie muss bis Juni 2027 in nationales Recht umgesetzt werden. Aus Sicht des LNV sollte dabei geprüft werden, inwieweit eine Berechnung der Entsorgungskosten bereits beim Kauf dazu beitragen kann, Fehlanreize im Markt zu reduzieren und die Qualität von Textilien zu stärken.

Landauf, landab brechen die Sammelsysteme für Gebrauchttextilien zusammen, da sie sich nicht mehr wirtschaftlich betreiben lassen. Ein wesentlicher Grund dafür ist der stark gestiegene Anteil kurzlebiger Textilien, häufig von chinesischen Versandhändlern, deren Materialqualität eine Wiederverwendung erschwert oder unmöglich macht. Diese Entwicklung ist Ausdruck veränderter Marktmechanismen und eines Angebots, das auf sehr niedrige Preise und kurze Nutzungsdauern ausgelegt ist. Die Kleidung landet oft schon nach wenigen Monaten im Altkleidercontainer oder im Müll. Auf den Kosten für das unrentable Recycling bleiben die Kommunen sitzen und müssen diese an die Bürgerinnen und Bürger weitergeben.

Erweiterte Herstellerverantwortung als Hebel
Der LNV spricht sich daher für eine Weiterentwicklung der Herstellerverantwortung im Textilbereich aus. Eine vorgelagerte Beteiligung an den Entsorgungs- und Recyclingkosten könnte dazu beitragen, langlebige und hochwertige Produkte zu stärken und Fehlanreize im Markt zu korrigieren. Ziel ist es, die tatsächlichen Umweltkosten stärker im Produktpreis abzubilden.

Vorgezogene Entsorgungsgebühr als Lenkungsinstrument
Gleichzeitig zeigt der hohe Pro-Kopf-Verbrauch von rund 19 Kilogramm Textilien pro Jahr in Deutschland, dass auch auf Nachfrageseite ein Umdenken erforderlich ist. Der LNV schlägt deshalb vor, eine „vorgezogene Entsorgungsgebühr“ bereits beim Kauf zu erheben und damit hochwertiges Recycling zu finanzieren. Indirekt würde dies den einheimischen Einzelhandel stärken. Zwingende Voraussetzung ist freilich den gesamten Internethandel verlässlich in die Gebühr einzubeziehen. Eine Gebühr von fünf Euro für eine Jeans wäre bei einem Qualitätsprodukt nur ein geringer Anteil. Bei einer minderwertigen Billighose ent-spräche dies jedoch einem Aufschlag von 50 bis 100 Prozent auf den Kaufpreis und würde die Wettbewerbsfähigkeit hochwertiger Produkte deutlich erhöhen

Verbraucherrechte konsequent nutzen
Darüber hinaus fordert der LNV die Bürgerinnen und Bürger auf, bestehende Verbraucher- rechte stärker zu nutzen. Die konsequente Inanspruchnahme von Gewährleistungsrechten kann dazu beitragen, die Nachfrage nach langlebiger Ware zu erhöhen. Für Kleidung gilt eine gesetzliche Gewährleistung von zwei Jahren. Werden bereits nach kurzer Zeit verschlissene Kleidungsstücke konsequent reklamiert, wird dies für Hersteller spürbar und setzt Anreize für bessere Qualität.

Hintergrundinformationen

https://www.bundesumweltministerium.de/gesetz/richtlinie-2008-98-eg-ueber-abfaelle- und-zur-aufhebung-bestimmter-richtlinien

https://www.bde.de/themen/europa-link/bdevoeb-europaspiegel-februar-2025/abfallrahmenrichtlinie/