27. Mai 2008 Wege zu einer innovativen und zukunftsfähigen Energiewirtschaft

Gemeinsames Konzept von LNV, BUND und NABU

Von Dr. Joachim Nitsch, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V., Stuttgart

Zusammenfassung der Ergebnisse
Bis 2020 muss das Fundament einer nachhaltigen Energieversorgung errichtet werden. Baden-Württemberg kann aber nur dann einen angemessenen Beitrag an den aktuellen EU- und bundespolitischen Zielsetzungen zum Klimaschutz erbringen und die in vielen Bereichen vorhandene Spitzenposition im Bereich der Forschung an fortschrittlichen Energietechnologien beibehalten oder auszubauen, wenn bis 2020 folgende Ziele bei der Umgestaltung der Energieversorgung umgesetzt werden:

1. Deutliche Verbesserung der Effizienz der gesamten Energienutzung: Eine Steigerung der jahresdurchschnittlichen Energieproduktivität auf 2,8%/a führt bis 2020 zu einer Verringerung des gesamten Endenergieverbrauchs um 17% gegenüber 2005 und speziell des Stromverbrauchs um 10%. Dies erfordert eine knappe Verdopplung des gegenwärtigen Trends.

2. Steigerung der jährlichen Zubaurate erneuerbarer Energien (EE) gegenüber der Periode 2000-2005: Dies bewirkt eine zusätzlich bereitgestellte Energiemenge von 27 TWh/a,(= Mrd. kWh/a), davon 10 TWh/a Strom, 13 TWh/a Wärme und 4 TWh/a Biokraftstoffe. Der Beitrag erneuerbarer Energien steigt damit von derzeit rund 7% des Endenergieverbrauchs auf 18% bis 2020; stromseitig beträgt der Anteil dann 26%. U. a. müssen dazu auch Restriktionen beim Ausbau der Windenergie aufgehoben und das neue Wärmegesetz weiter verbessert werden.

3. Erhebliche Verbesserung der Umwandlungseffizienz bei der Stromerzeugung: Die Kraft-Wärmekopplung (KWK) wird bis 2020 auf eine Stromerzeugung von 16 TWh/a ausgebaut, was einem Beitrag von rund 24% der Bruttostromerzeugung entspricht (derzeit 10%). Eine differenzierte, lokale bzw. kommunale Strategie mit dem Schwerpunkt bei kleineren HKW und BHKW ist das Schlüsselelement dieser Strategie. Die Genehmigung des Baus neuer Großkraftwerke (ohne KWK) muss an das Vorliegen einer derartigen Strategie gekoppelt sein.

4. Im Zuge des Ersatzes alter Kraftwerke ist eine Investitionsstrategie bei fossilen (Groß-)Kraftwerken erforderlich, die den weiteren Ausbau der EE nach 2020 nicht blockiert, sondern ihn im Gegenteil unterstützt, um langfristig die optimale Nutzung aller Stromerzeugungstechniken zu gewährleisten. Dazu gehören gut regelbare Kraftwerke hoher Effizienz, die bei Bedarf auf das fluktuierende Stromangebot aus EE reagieren können. Neu zu bauende Großkraftwerke sind daher vorrangig als Gas-GuD-Kraftwerke zu errichten. Der Wegfall von 3 270 MW Kernkraftwerksleistung wird durch verringerte Nachfrage nach Strom (entsprechend rund 1 100 MW Leistung), durch 1 100 MW an „gesicherter“ Leistung aus zusätzlichen erneuerbaren Energien und zusätzliche 1 070 MW Leistung aus gasgefeuerten Kraftwerken ausgeglichen. Die zusätzliche Leistung an Gaskraftwerken setzt sich aus 420 MW KWK-Leistung vorwiegend in BHKW und 650 MW Kondensationsleistung zusammen. Zusätzliche Leistung in Kohlekraftwerken wird nicht benötigt; der Ersatz alter Kohlekraftwerke geschieht vorrangig mit effizienten Heizkraftwerken.

5. In der Gesamtbilanz aller drei Sektoren ergibt sich bis 2020 eine Reduktion der CO2-Emissionen um 15 Mio. t CO2/a gegenüber 2005 auf 61 Mio. t CO2/a. Der größte Reduktionsbeitrag von rund 10 Mio. t CO2/a wird im Wärmesektor erbracht.

6. Die Notwendigkeit des bis 2020 eingeleiteten Umbaus der Energieversorgung zeigt sich bei der Fortschreibung dieser Entwicklung bis 2050. Umfassender Klimaschutz verlangt bis dahin eine Reduktion der CO2-Emissionen auf rund 20 Mio. t/a. Wird die bis 2020 eingeleitete Dynamik des EE-Ausbaus konsequent aufrechterhalten und die noch verbleibenden Restpotenziale einer weiteren Effizienzsteigerung ausgeschöpft, so kann dieser notwendige Weg in eine klima- und ressourcenschonende Energieversorgung Erfolg versprechend fortgesetzt werden. Der Primärenergiebedarf sinkt bis 2050 auf 900 PJ/a, was 55% des heutigen Wertes entspricht; erneuerbare Energien decken davon 50%. In 2050 beträgt die importierte Öl- und Gasmenge mit 310 PJ/a noch ein Drittel des derzeitigen Bedarfs, die Importabhängigkeit wird also trotz Abbau der Kernenergie deutlich geringer.

7. Mit dem Szenario „Nachhaltigkeit 2008“ ist ein prinzipieller Weg aufgezeigt, wie Baden-Württemberg seinen Beitrag zum globalen Klimaschutz leisten und gleichzeitig auf die risikoreiche Kernenergie verzichten kann. Entscheidend ist, dass der Umsteuerungsprozess bei der Energienutzung hin zu deutlich höherer Effizienz und zu einer hohen Wachstumsdynamik der erneuerbaren Energien bereits heute eingeleitet wird. Hält die Landesregierung trotzdem an einem Konzept der weiteren Nutzung von Kernenergie und des nahezu ausschließlichen Baus von Großkraftwerken fest, wie im jüngsten „Energiekonzept Baden-Württemberg 2020“ des Wirtschaftsministeriums beschrieben, besteht die Gefahr, dass im Land die Chancen für eine Beteiligung der heimischen Wirtschaft am Markt neuer und innovativer Energietechnologien nur unzureichend genutzt werden können und andere Länder dann Vorreiterrollen übernehmen. 15 – 20 Jahre wären dann unnötigerweise vertan worden.

Das vollständige LNV-Info finden Sie hier:

LNV-Info 2/2008

Themen zu diesem Artikel: Energie, Energieeffizienz, LNV-Info, Windenergie

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