Naturschützer: Licht und Schatten bei der Jagst-Sanierung

Landesnaturschutzverband begrüßt Zwischenbilanz des Aktionsplanes Jagst

 

Unglück hat strukturelle Defizite bei der Umweltverwaltung aufgedeckt

Der Landesnaturschutzverband (LNV) nimmt mit Freude zur Kenntnis, in welchem Umfang von staatlicher Seite entlang der Jagst ökologische Gestaltungsmaßnahmen vorgenommen wurden. Auf einer Veranstaltung des Regierungspräsidiums in Kirchberg äußerte LNV-Chef Dr. Gerhard Bronner aber auch deutliche Kritik am Landratsamt Schwäbisch Hall. Der Umgang mit dem Unglücksfall war zunächst nicht angemessen und die Informationspolitik ist von Geheimniskrämerei geprägt. „Auch anderthalb Jahre nach dem Unglück ist noch nicht bekannt, welche Versäumnisse von welcher Seite letztlich zum Eintrag giftigen Ammoniaks in die Jagst und zum Fischsterben auf Dutzenden Flusskilometern geführt haben“, so Bronner. „Wer aber nicht bereit ist, aus der Geschichte zu lernen, ist dazu verurteilt, sie zu wiederholen!“

Die Naturschützer des LNV fragen sich, ob etwas dran ist an den Informationen, das Düngelager sei mangels Personal weder baurechtlich abgenommen worden noch von der Gewerbeaufsicht geprüft worden. Das passe zu einer vom Umweltministerium in Auftrag gegebenen Studie, die eine schlechte personelle Ausstattung der baden-württembergischen Umweltverwaltung im Bundesländervergleich belegt. Insbesondere seit der Verwaltungsreform und der Eingliederung der Umweltverwaltung in die Landratsämter hätten sich die Defizite noch verschärft. „Was taugen strenge Umweltgesetze, wenn nicht genügend Personal vorhanden ist, um die Einhaltung zu überwachen?“, fragt sich Bronner.

Immerhin werden im Rahmen des Aktionsplanes auch Notfallpläne bei Behörden überprüft. Die Regenwasserbehandlung durch die Kommunen soll optimiert werden, um die Qualität des Jagstwassers, die schon vor dem Unglück nicht die beste war, zu verbessern. Durch die Beseitigung oder den Umbau von Wehren soll die Jagst von einer Abfolge von Staustrecken wieder zu einem für Fische durchwanderbaren Fließgewässer werden. „Das alles sind Maßnahmen,“ so Bronner, die wir uns flächendeckend im Land wünschen – auch ohne vorhergehendes Unglück.“

Sorgen macht den Naturschützern die schleppende Regeneration des Fischbestandes, aber auch die starke Algenentwicklung, was nicht mehr durch den Löschwassereintrag zu erklären sei. Dazu passen die festgestellten hohen Phosphatwerte, die unzweifelhaft zum überwiegenden Teil aus landwirtschaftlichen Flächen des Einzugsgebiets der Jagst stammen. In Hohenlohe mit seinen sehr hohen Viehbeständen müsse deshalb besonders darauf geachtet werden, Gewässerschutzstreifen einzurichten und Abstandsregeln beim Düngen zu beachten. Von der neuen Düngeverordnung erhoffen sich die Naturschützer Entlastung, da sie die Nährstoffbilanzüberschüsse begrenzt und so die Landwirte zum effizienten Einsatz von Wirtschaftsdünger zwingt.

LNV-PM zur Jagst-Sanierung