14. Oktober 2013, Pressemitteilung Biokraftstoffe sind schlechter als ihr Ruf

LNV wendet sich gegen Propaganda für Agrotreibstoffe

Der Landesnaturschutzverbandes (LNV) tritt der Propaganda der Bioenergielobby entgegen, welche suggeriert, es seien genug Flächen für den Anbau von Bioenergiepflanzen vorhanden. So behauptet die Agentur für Erneuerbare Energien (AEE), innerhalb der EU stünden 20 Millionen Hektar für Energieerzeugung zur Verfügung. Das hält man beim LNV schlichtweg für falsch.

Der Dachverband der Natur- und Umweltschutzverbände lehnt Biokraftstoffe generell ab und kritisiert die mangelnde Nachhaltigkeit vieler Bioenergie-Nutzungspfade. Das macht der Dachverband von 34 Umweltschutzverbänden auch in seinem Positionspapier deutlich. Vielmehr setzt sich der LNV für eine Beschränkung der Bioenergienutzung auf Rest- und Abfallstoffe sowie Nebenprodukte ein. „Wir halten die landwirtschaftliche Erzeugung von Energie auf dem Acker mittlerweile für einen fatalen Irrweg. Darin sind wir uns einig mit den Wissenschaftlern des Sachverständigenrats für Umweltfragen und des wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft“, so LNV-Agrarreferent und stellvertretender LNV-Vorsitzender Dr. Gerhard Bronner.

Die Einschätzung der AEE, wonach genügend Flächen innerhalb der EU zur Verfügung stünden, hält der LNV für eine Milchmädchenrechnung: Bereits heute werden in Deutschland 50 Prozent mehr Nahrungsmittel verbraucht als vor Ort produziert. „Jeder weitere Entzug von Fläche führt zu erhöhten Futtermittelimporten, die oft aus Tropenländern kommen, wo dafür Wald abgeholzt wird. Selbst wenn kein Palmöl oder Äthanol aus Zuckerrohr importiert wird, führt der Anbau von Energiepflanzen bei uns zu Regenwaldabholzung in Südamerika, Afrika und Südostasien“, erläutert Bronner.

In Deutschland ist die Flächenkonkurrenz bereits massiv spürbar. Biolandwirte klagen, sie könnten bei der Flächenpacht nicht mehr mit den Biogasbetrieben mithalten. Und auch die Konkurrenz mit der Nahrungsmittelproduktion wird immer offenkundiger. „Die Zeiten, in denen es regelmäßig Agrarüberschüsse gab und der Hunger nichts mit einem globalen Mangel an Nahrungsmitteln zu tun hatte, sind nach Ansicht der meisten Agrarwissenschaftler vorbei“, so der LNV-Agrarexperte.

Zudem betrachten die Naturschützer den Anbau von Energiepflanzen auch deshalb als kritisch, weil dieser zu einer Uniformierung der Landwirtschaft und vielerorts zu einer Dominanz von Mais und Raps geführt hat. „Intensivere Grünlandnutzung zur Biogasgewinnung ist verantwortlich dafür, dass zahlreiche geschützte Blumenwiesen als artenreiche Biotope verloren gegangen sind“, weiß der LNV-Vize. Für den Verbraucher dürfte seiner Meinung nach auch interessant sein, dass sich Bioenergie mittlerweile zur teuersten regenerativen Energieform entwickelt hat.

„Erfüllt dann die Förderung der Bioenergie wenigstens ihren Zweck, durch den Ersatz fossiler Energieträger zum Klimaschutz beizutragen?“, lautet eine Kernfrage. „Selbst wenn man die indirekten Landnutzungsänderungen, sprich die Abholzung von Regenwald außer Acht lässt, kann diese Frage nicht durchgängig bejaht werden“, meint Bronner. So etwa habe jüngst das Umweltbundesamt errechnet, dass Strom aus Biogasmais das Klima mehr belaste als aus fossilem Erdgas.

LNV-Pressemitteilung zum Biokraftstoff

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