16. April 2012 Vorsicht Schrott

LNV fordert Maßnahmen zu mehr Nachhaltigkeit bei Produkten

Immer öfter ärgern sich Verbraucher über Haushalts- und Elektrogeräte, die allzu schnell ihren Geist aufgeben: Vom Drucker über Netzteile bis hin zu Glühbirnen und Toastern. Von Reparaturmöglichkeiten kann meistens keine Rede sein. In der Regel raten selbst Verkäufer zum Neukauf, da Reparatur und vor allem Ersatzteile sich nicht lohnen.

„Man könnte auf die Idee kommen, manche Hersteller würden bewusst eine Sollbruchstelle einbauen, damit man bald ein neues Gerät kaufen muss“, äußert sich der stellvertretende LNV-Vorsitzende, Gerhard Bronner. Ein gezieltes Einbauen von Schwachstellen, um Neukäufe anzuregen, bezeichnet man als „geplante Obsoleszenz“. Das Problem ist, dass eine vermutete Absicht nur schwer nachweisbar ist. Das weiß auch Niklaas Haskamp, Pressereferent der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Hier gehen oft Verbraucheranfragen zur Haltbarkeit von Produkten und zur Gewährleistung ein. „Wenn sich herausstellen sollte, dass hinter einer geringen Lebensdauer ein beabsichtigtes Vorgehen von Un-ternehmen steckt, dann ist dies aufs Schärfste zu verurteilen. Kein Verbraucher hat Interesse an einem solchen Produkt“, so Haskamp. Wiederholungskäufe aufgrund kurzer Haltbarkeit seien ein nicht zu rechtfertigender Ressourcenverbrauch.

Und der ist hoch: „Wir verbrauchen heute an einem Tag an Kohle, Gas und Öl, woran die Natur eine Million Tage gearbeitet hat“, weiß der Journalist Franz Alt. Angesichts der Verknappung der Ressourcen müsste die Langlebigkeit von Produkten zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Doch das Gegenteil ist der Fall: Wer sich mit dem Thema „geplante Obsoleszenz“ beschäftigt, stößt auf einige ganz offensichtliche Beispiele, wie etwa die Verkürzung der Brenndauer bei der Glühbirne. In einer Absprache, so unter anderem nachzulesen im Greenpeace Magazin 2/12, beschränkten die Hersteller im Jahr 1924 die Brenndauer der Glühbirne auf 1000 Stunden, später flog der Pakt als „Phöbuskartell“ auf. Zum Vergleich: Im kleinen Ort Livermore in Kalifornien leuchtet in der Feuerwache ein- und dieselbe 60-Watt-Glühbirne seit dem Jahr 1901 bis heute ununterbrochen.

Weitere gut dokumentierte Beispiele sind Drucker, die nach einer bestimmten Zahl ausgedruckter Seiten den Geist aufgeben. Bei einigen Tintenstrahldruckern liegt die Sollbruchstelle bei ca. 20.000 Seiten. Aber auch Flachbildfernseher, Wasch- oder Spülmaschinen, elektrische Zahnbürsten und sogar Outdoor-Kleidung (Quelle: BUND) lassen auf eine kalkuliert verkürzte Lebensdauer schließen.

Verbraucher wollen sich wehren
Viele Verbraucher sind mittlerweile verärgert und äußern ihren Unmut. In diversen Internet-Netzwerken, Blogs und Foren bündeln sie ihre Erfahrungen und wollen gegen die Produktstrategie der eingebauten Schwachstellen vorgehen.

Sehr aktiv ist der Betriebswirt Stefan Schridde aus Berlin. Er listet in seinem Internet-Blog viele Produkt-beispiele mit kurzer Lebendauer auf. Dazu gehören auch die so genannten Anti-Features: Dabei handelt es sich um winzige Chips, welche es Handys, Laptops und Kameras ermöglichen, zwischen den teuren Original-Akkus und preiswerteren Nachbauten zu unterscheiden. „So können beispielsweise Fremd-Akkus schneller entladen werden, als die teureren Akkus des Produktherstellers selbst“, erklärt der Um-weltaktivist. Schridde ärgert sich auch über solche Drucker, bei denen ein eingebauter Chip offenbar eine falsche Fehlermeldung produziert. So zum Beispiel bei einem Tintenstrahldrucker von Epson.

Bei vielen scheinbar kaputten Elektrogeräten müsste man eigentlich nur ein kleines Teilchen austauschen“, weiß Schridde. „Doch die Preise für den Kundendienst rechnen sich meistens nicht“, erklärt der Fachmann.

Kondensatoren sind laut Schridde ein weiteres offensichtliches Beispiel für eine „geplante Obsoleszenz“. „Diese Verschleißprodukte verwandeln Elektrogeräte schnell zu Schrott“, so der Ökonom. „Wer kennt das Problem nicht?“, fragt er weiter: „Kaum ist die Garantiezeit abgelaufen, ist das Gerät auch schon kaputt!“.

Aufgrund der zahllosen Beispiele und der vielen frustrierten Verbraucher, hat er unlängst eine Website gestartet, bei der man Murks melden kann. Gleichzeitig soll das Online-Forum auch zu einem Dialog zwischen Wirtschaft und Verbrauchern führen. Schridde tingelt außerdem durchs Land und hält einschlägige Fachvorträge.

Langlebige Produkte bringen Wettbewerbsvorteile – Politik muss mitziehen
Beim LNV ist man der Meinung, dass nicht die kurzlebigen, sondern die langlebigen Produkte Zukunft haben. „Dazu muss der gängige Preiswettbewerb durch einen Qualitätswettbewerb abgelöst werden“, so Bronner. „Dann haben Firmen Vorteile, die nicht auf „Ex-und-hopp“ setzen“.

Kurze Produktlebensdauern würden zu immer neuen Nachkäufen führen und so nur Ressourcen verschwenden und Abfallberge hervorbringen, so der Fachmann. Er sieht die Politik in der Pflicht, gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen, die ein ökologisches Wirtschaften begünstigen.

Der LNV fordert deshalb Maßnahmen gegen eine geplante Verkürzung der Lebensdauer von Produkten. „Dazu gehören beispielsweise die Verlängerung von Garantie- und Gewährleistungszeiten, eine Verpflichtung zur Ersatzteilvorhaltung zu angemessenen Preisen und mehr Qualitätstransparenz“, betont der stellvertretende LNV-Vorsitzende Dr. Gerhard Bronner. Noch dominiere der Preis die Kaufentscheidungen, eine bessere Durchschaubarkeit der Produktqualität könne die Waagschale in die andere Richtung be-wegen. Auch eine höhere Energiesteuer könnte einen positiven Effekt haben.

Dass man bei der Produktion auch weniger Energie verbrauchen kann als bei uns, zeigt das Hightech-Land Japan. „Das Land produziert schon jetzt zu etwa 15 Prozent energieeffizienter als wir in Deutschland – ob Fernseher, Kühlschrank oder Auto“, weiß Franz Alt.

Dr. Walter Stahel vom Schweizer Product-Life-Institut wirbt zudem für das so genannte „cradle-to-cradle“-Prinzip nach Braungart und Pauli, was vereinfacht ausgedrückt „aus Alt mach Neu“ bedeutet. Er spricht von ökonomischen und ökologischen Vorteilen: „Die Aufarbeitung gebrauchter Produkte schafft Arbeits-plätze und spart Ressourcen“, so der Fachmann. Bei steigenden Rohstoffpreisen könne das zu einem Wettbewerbsvorteil führen. Einziger Wermutstropfen sei die Gesetzeslage in Deutschland und anderen europäischen Ländern: Wiederaufbereitete Produkte dürften nicht als „neu“ verkauft werden, auch wenn sie so aussähen und ebenso gut funktionierten.

Mode und Konsummuster
Eine Triebfeder der Obsoleszenz ist die Mode, die dazu führt, dass voll funktionsfähige Dinge weggewor-fen werden, nur weil sie „aus der Mode“ sind. Schlussendlich muss sich jeder die Frage gefallen lassen, ob immer nur das Neueste gut genug ist? Was bringt es uns, immer alle Mode- und Designtrends mitzumachen? Braucht man wirklich alle paar Monate ein neues Handy, jedes Jahr ein neues Auto und jede Woche ein neues Kleidungstück? Sind solche materiellen Güter Garanten für ein glückliches, zufriedenes Leben?

Dem „immer mehr von allem“ setzen der LNV und andere Umweltorganisationen das Nachhaltigkeitsprinzip „Gut leben statt viel haben“ gegenüber. „Nachhaltigkeit heißt, mit unseren Rohstoffen so sparsam umzugehen, dass diese sich so regenerieren können, um auch den nachfolgenden Generationen ein gutes Leben zu ermöglichen“, sagt der Vorsitzende des LNV Reiner Ehret.

Das passende Zitat hierzu stammt von Mahatma Gandhi: „Die Erde bietet genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht genug für jedermanns Gier.“

P.S. Der LNV ist für weiterführende Hinweise stets dankbar.

Weitere Informationen zu Langlebigkeit und Energieeffizienz im Internet:
www.sonnenseite.com
www.murks-nein-danke.de
weitere Links:
geplante Obsoleszenz

Das vollständige LNV-Info finden Sie hier:

LNV-Info 1/2012

Themen zu diesem Artikel: LNV-Info, Natur- und Umweltbildung

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