11. Januar 2016, Pressemitteilung VDA darf Abgas-Skandal nicht ausblenden

LNV kritisiert: VDA blendet im Jahresrückblick den Auto-Abgas-Skandal völlig aus

LNV-Zumeldung zur PM des Verbands der Automobilindustrie (VDA) vom 06.Januar 2016:
Jahresrückblick PKW- Markt

Tunnelblick auf Absatzzahlen
VDA-Motto „Augen zu und durch“ hat keine Zukunft

Mit Bedauern und Unverständnis hat der Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg (LNV), Dachverband von 34 Naturschutzverbänden mit 540.000 Mitgliedern – auf die Pressemitteilung des Verbandes der Automobilwirtschaft (VDA) vom 6. Januar 2016 reagiert. Darin zog der Präsident des VDA und frühere Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann die Jahresbilanz 2015 zum PKW-Markt (in Deutschland 3,2 Mio. Neuzulassungen, ein Plus von 6% gegenüber dem Vorjahr 2014) und freut sich über die gegenwärtige Dynamik des deutschen Pkw-Marktes.

Das sieht der LNV-Vorsitzende Dr. Gerhard Bronner deutlich anders: „Es zeugt von mangelnder Einsichtsfähigkeit, wenn der VDA mit keinem Satz auf den noch längst nicht aufgearbeiteten Abgasskandal eingeht.“ Bekanntlich war im September 2015 durch Untersuchungen von US-Behörden ans Licht gekommen, dass zahlreiche Diesel-Fahrzeugtypen deutscher Produktion mit einer „Schummel-Software“ ausgestattet worden sind. Dies führt dazu, dass die Emissionen von gesundheitsschädlichen Stickoxiden und Feinstaub im Normalbetrieb um ein Vielfaches über den Werten liegen, die auf dem Prüfstand gemessen werden. Gesetzliche Vorgaben zu Emissionsbegrenzung werden durch die Software bewusst umgangen. Betroffen sind über 11 Millionen Fahrzeuge.
„Die erhöhten Emissionen im realen Fahrbetrieb sind mit ein Grund dafür, dass in vielen Kommunen die zulässigen Immissionswerte für die Atemluft überschritten sind – zum Nachteil und Schaden der in diesen Städten und an Straßen lebenden Menschen“, stellt LNV-Chef Bronner klar. Er betont, die unzulässig hohen Fahrzeugemissionen hätten auch gesamtökologisch z. B. für die Landwirtschaft und für das Klima nachteilige Folgen.

Enttäuscht ist der LNV auch darüber, dass für die Automobilindustrie der kürzlich erfolgreich abgeschlossene Klimagipfel in Paris offenbar kein Thema ist. Der Bau von echten Sparmobilen lässt noch immer auf sich warten, und die deutschen Autobauer haben besonders hohen Nachholbedarf. „Meint VDA Präsident Wissmann, andere Verbrauchssektoren sollten so viel mehr an CO2-Emissionen einsparen, dass die Autos weiter unbegrenzt emittieren dürfen?“ fragt LNV-Chef Bronner.

Nach Einschätzung des LNV kann die deutsche Automobilwirtschaft mit einer Fixierung allein auf Absatzzahlen die Herausforderungen der Zukunft nicht bestehen. Zur Akzeptanz des Autos gehört auch seine Umwelt- und Menschenverträglichkeit. Ein erster Schritt wäre die Abkehr von der seit Jahrzehnten bestehenden ungerechtfertigten Privilegierung von Dieselfahrzeugen bei der Mineralölsteuer.

VDA-Rückblick ohne Auto-Abgas-Skandal

Themen zu diesem Artikel: Klima, Luft, Lärm, Licht, Mobilität / Verkehr, Pressemitteilung, Straßen

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