Stuttgart 21: Waren Kostenfälscher am Werk?

LNV fordert Prüfung von Ausstiegsoptionen

Der Landesnaturschutzverband ist über die Kostensteigerung beim Bahnprojekt Stuttgart 21 nicht verwundert. Vielmehr glaubt der Dachverband der Natur- und Umweltschutzverbände in Baden-Württemberg, dass bewusst Zahlen zurückgehalten oder geschönt wurden und der Volksentscheid so beeinflusst wurde. Für den LNV ist ein Ausstieg nach wie vor denkbar.
„Bei der heutigen Sitzung des DB-Aufsichtsrates zu S21 wurde nur bestätigt, was längst klar war“, so der LNV-Vorsitzende Reiner Ehret. Die Kostensteigerung in Milliardenhöhe beim Stuttgarter Bahnprojekt sei nach Einschätzung des LNV eindeutig vorhersehbar gewesen. „Bereits ein Jahr vor dem Volksentscheid sind vom damaligen Bauleiter zusätzliche Kosten und Risiken benannt worden“, weiß Ehret. Das Ergebnis war sein Rücktritt. „Oder wurde er gar ‚zurückgetreten‘?“, fragt der LNV-Chef.

Für den LNV-Vorsitzenden ist auch die aktuell diskutierte Bausumme nicht von Bestand: „Es gibt DB-unabhängige Gutachter, welche die Kosten für den unterirdischen Bahnhof auf mehr als acht Milliarden Euro schätzen“. Dies sei bei 60 km Tunnelstrecke durch schwierigen Untergrund durchaus plausibel. Es erweise sich jetzt als verhängnisvoll, dass die S21-Bauherren das Votum des DB-Aufsichtsrates von 2001 übergangen hätten. Demnach sollten Kostenkalkulationen und Baubeginn erst nach Planfeststellung aller Bauabschnitte getätigt werden. „Dementsprechend fehlten konkrete, belastbare Zahlen“, so Ehret weiter.

Der Vorsitzende des LNV stellt klar: „Jetzt ist noch Zeit, Ausstiegsoptionen zu prüfen und dabei auch die Frage nach der tatsächlichen Kapazität von S21 im Vergleich zum bestehenden, ausbaufähigen Bahnhof objektiv und ehrlich zu beantworten“.

Für den LNV ergibt sich mittlerweile eine bedrückende Gewissheit: Dem Volksentscheid vor einem Jahr lagen möglicherweise falsche, wenn nicht gefälschte Zahlen zugrunde, die den Ausgang des Entscheids in Richtung „Pro S21“ lenkten.

LNV-PM zu Stuttgart21