27. Februar 2004 Ökoaudit für landwirtschaftliche Familienbetriebe

Umweltprüfung und Umweltprogramm am Beispiel von fünf Betrieben

Zusammenfassung

Am Beispiel von fünf landwirtschaftlichen Betrieben auf der Baar (Baden-Württemberg) wurde getestet, ob mit Hilfe eines vereinfachten Agrar-Ökoaudits Verbesserungspotentiale für die Betriebe und die Umwelt ermittelt werden können.
Bisherige Studien zeigen, dass die Methodik des Ökoaudits bei großen Agrarbetrieben anwendbar ist, wie sie z. B. in den neuen Bundesländern vorherrschen. Für bäuerliche Familienbetriebe, wie sie in Süddeutschland vorherrschen, wurden bisher der Aufwand und die Kosten als zu hoch angesehen (Odening & Doluschitz 1999, Schneider 1999). Um die potenziellen betrieblichen Verbesserungen, die mit der Durchführung eines Ökoaudits verbunden sind, auch bei den in Baden-Württemberg typischen Betrieben erschließen zu können, hat der Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg e.V. (LNV) ein vereinfachtes Verfahren für ein „Agrar-Ökoaudit” entworfen.
Mit Hilfe einer starken Vorstrukturierung soll es ermöglicht werden, mit vertretbarem Aufwand ein Audit durchzuführen. Für eine formelle Validierung nach EMAS fehlen bei der hier durchgeführten Methode freilich noch einige Elemente.
Für die erste Umweltprüfung wurde auf den Betrieben eine Begehung durchgeführt. Mit Hilfe einer Checkliste (Anhang) wurden die Betriebsdaten erhoben. Das Amt für Wasser- und Bodenschutz des Landratsamtes Schwarzwald-Baar prüfte danach auf den Betrieben die wasserrechtlichen Anforderungen (Anhang). Das Amt für Landwirtschaft, Landschafts- und Bodenkultur (ALLB) Donaueschingen übermittelte mit dem Einverständnis der Betriebe die Informationen zur Flächennutzung und der Beteiligung an Agrarförderprogrammen (MEKA, Landschaftspflegerichtlinie).
Die Ergebnisse des Praxistests zeigen, dass landwirtschaftliche Familienbetriebe im Prinzip ein vereinfachtes Ökoaudit durchführen können. Verbesserungspotenziale fanden sich in allen landwirtschaftlichen Betrieben, wobei es in vier Fällen nur weniger und geringfügiger Anstrengungen bedarf, Maßnahmen zur Einhaltung des
Umweltrechts umzusetzen. Sowohl beim Einsatz von Energie wie auch bei der Nährstoffbilanzierung ergab der Vergleich der Betriebe untereinander wie auch mit Literaturwerten Hinweise auf Verbesserungspotenzial und -bedarf. Bei der stärkeren Inanspruchnahme von Agrarumweltprogrammen besteht bei den fünf Betrieben nur ein begrenztes Potenzial, das aber dennoch ausgeschöpft werden sollte.
Bei der Bewertung des Verbesserungspotenzials ist zu berücksichtigen, dass es sich bei den Teilnehmern um Betriebe handelt, die Umweltfragen aufgeschlossen gegenüberstehen und beispielsweise schon bisher auf die Beteiligung an Agrarumweltprogrammen achteten. Dies ist nicht bei allen Betrieben der Fall.
Der für das Ökoaudit nach der untersuchten Methodik notwendige interne Aufwand ist überschaubar, da viele Aufgaben im Rahmen der ohnehin schon durchzuführenden Dokumentationspflichten erfüllt werden. Beim externen Aufwand, der hier vom Ingenieurbüro für Umweltmanagement (ibum) / Ingenieurgesellschaft regioplus Stuttgart, dem Landesnaturschutzverband (LNV) sowie dem Amt für Wasser- und Bodenschutz getragen wurde, ist bei einer künftigen Breitenanwendung noch eine deutliche Reduzierung möglich, da dann auf die entwickelten Methoden und Softwarehilfen zurückgegriffen werden kann.

Das Instrument „Ökoaudit“ ist inzwischen gängige Praxis in vielen Industriebetrieben. Zum Ökoaudit gehört, dass die Betriebe die Umweltleistungen verbessern, die Einhaltung des Umweltrechts gewährleisten und eine Organisationsform einführen, die dies sicherstellt. Somit kommen sie zu einer kontinuierlichen Verbesserung ihrer Umweltleistung.
Ein Ökoaudit für landwirtschaftliche Betriebe verfolgt mehrere Zielrichtungen. Es soll den Betrieben Rechtssicherheit geben, Verbesserungspotenziale bei den Umweltleistungen aufzeigen und zu finanziellen Einsparungen führen, indem Stoffflüsse und der Energieeinsatz optimiert und Agrarumweltprogramme stärker ausgenutzt werden. Dazu kommt, dass für die Öffentlichkeit ein Stück weit eine „gläserne Produktion“ geschaffen wird, die zum einen der Qualitätssicherung dient und sich auch als Werbung in der Direktvermarktung einsetzen lässt.
Ein Ökoaudit ist damit Teil einer zukunftsweisenden und modernen landwirtschaftlichen Produktion, die sich an den Kriterien Umwelt, Qualität und Tierschutz orientiert. Unter diesem Aspekt hat auch der kürzlich veröffentlichte „Leitfaden Agrar-Ökoaudit“ das Ziel, ein breiteres Interesse der Landwirtschaft an dem Thema zu wecken. Ein geeignetes Instrumentarium für das Agrar-Ökoaudit kann helfen, die Anforderungen zu erfüllen, die zunehmend von den Marktpartnern (Qualitätssicherungssystem QS) und von der Politik (Cross-Compliance, „Farm-Audit“) an die Landwirtschaft gestellt werden.

die vollständige Untersuchung finden Sie hier:

Agraraudit

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